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Der Psoas als Stressmuskel: Wie sich Anspannung im Körper festsetzen kann

Kennen Sie das Gefühl, dass die Hüfte und der Unterbauch sich nicht so gut anfühlen, obwohl Sie sich gar nicht bewusst anstrengen? Manche Patientinnen und Patienten berichten mir von einem ständigen Ziehen in der Leiste, einem flachen Atem oder dem Gefühl, selbst im Liegen nicht richtig loslassen zu können.

Kennen Sie das Gefühl, dass die Hüfte und der Unterbauch sich nicht so gut anfühlen, obwohl Sie sich gar nicht bewusst anstrengen? Manche Patientinnen und Patienten berichten mir von einem ständigen Ziehen in der Leiste, einem flachen Atem oder dem Gefühl, selbst im Liegen nicht richtig loslassen zu können. Oft lässt sich diese Anspannung nicht auf eine bestimmte Bewegung oder Belastung zurückführen, sie scheint einfach da zu sein, Tag für Tag. Ein Blick auf den Psoas und seine besondere Rolle im Nervensystem kann hier weiterhelfen, auch wenn er nur einen von mehreren möglichen Erklärungsansätzen liefert.

Der Psoas und die Reaktion auf Gefahr

Der Musculus psoas major entspringt an den Lendenwirbeln und zieht durch das Becken bis zum oberen Oberschenkelknochen. Er ist der kräftigste Hüftbeuger des Körpers und damit direkt an jeder Bewegung beteiligt, bei der sich Oberkörper und Bein einander annähern.

Genau diese Bewegung, das Beugen von Hüfte und Oberkörper, ist auch Teil eines sehr alten Schutzmusters. Unser vegetatives Nervensystem unterscheidet nicht zwischen echter Lebensgefahr und modernem Alltagsstress. Bei plötzlicher Bedrohung übernimmt der Sympathikus die Kontrolle und bereitet den Körper in Sekundenbruchteilen auf Kampf oder Flucht vor. Herzfrequenz und Atmung steigen, die Verdauung wird gedrosselt, die Muskulatur wird durchblutet und angespannt. In diesem Moment zieht sich der Körper reflexhaft zusammen, ähnlich der gekrümmten Haltung, die wir auch aus der embryonalen Position kennen. Hüfte und Rumpf nähern sich an, der Bauchraum wird geschützt, die Fluchtbewegung wird vorbereitet.

In der Körperarbeit wird deshalb gelegentlich diskutiert, dass der Psoas eine besondere Rolle bei dieser instinktiven Schutzreaktion spielt, da er genau diese Beugebewegung ausführt. Manche bezeichnen ihn deshalb bildhaft als "Muskel der Seele" oder auch als „Muskel der Kampf-Flucht-Reaktion". Dieses Bild ist in der Körperarbeit und Somatik verbreitet, aber nicht einheitlich wissenschaftlich belegt und beschreibt eher ein Erklärungsmodell.

Fest steht dagegen, dass anhaltender Stress die Muskelspannung im gesamten Körper verändern kann. Der Sympathikus wirkt nicht nur auf Herz, Atmung und Verdauung, sondern auch auf die gesamte Skelettmuskulatur, die in Alarmbereitschaft tendenziell mehr Spannung hält. Der Psoas ist als tiefliegender, großer Muskel davon ebenso betroffen wie andere Bereiche der Rumpf- und Beckenmuskulatur. Anders als oberflächliche Muskeln lässt er sich von außen jedoch kaum ertasten, was seine Spannung für viele Patientinnen und Patienten schwerer greifbar macht als etwa eine verspannte Schulter.

Wenn der Alarmzustand nicht mehr abklingt

Der Säbelzahntiger, vor dem unsere Vorfahren flohen, ist verschwunden. Die moderne Belastung durch Termindruck, Konflikte oder finanzielle Sorgen bleibt jedoch oft über Stunden oder Tage bestehen, ohne eine klare körperliche Entladung wie Kampf oder Flucht. Bleibt der Sympathikus dauerhaft aktiviert, spricht man von einer chronischen Sympathikusdominanz. Der Körper kommt nicht mehr in den Zustand von Ruhe und Erholung, den der Parasympathikus eigentlich bereitstellt.

In meiner Praxis erlebe ich das häufig bei Patientinnen und Patienten, die unter Dauerstress stehen, sei es beruflich, familiär oder durch eigene gesundheitliche Sorgen. Manche berichten von einer Spannung, die sie selbst kaum lokalisieren können, nicht als klarer Schmerzpunkt, eher als diffuses Engegefühl im Bauch, in der Leiste oder im unteren Rücken. Andere bemerken, dass sie auch nachts nicht richtig loslassen können oder dass die Atmung flacher geworden ist, was wiederum die Rumpfspannung mit beeinflussen kann.

Diese Zusammenhänge sind individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt. Manche Patientinnen und Patienten spüren körperliche Anspannung zuerst im Nacken oder Kiefer, andere eher im Bauchraum oder in der Hüfte. Es gibt keinen allgemeingültigen Ort, an dem sich Stress im Körper zeigt, und eine angespannte Hüftregion muss nicht bei jedem Menschen mit psychischer Belastung zusammenhängen.

Im Alltag kann sich das auf unterschiedliche Weise bemerkbar machen. Manche Patientinnen und Patienten berichten, dass sie sich selbst nach einem ruhigen Wochenende nicht richtig erholt fühlen, als würde der Körper die Anspannung über das eigentliche Ereignis hinaus festhalten. Andere bemerken, dass längeres Sitzen die Enge in der Hüfte verstärkt, weil der Psoas dabei ohnehin in einer verkürzten Position verharrt, oder dass sich Bewegungen wie das Aufrichten aus gebückter Haltung ungewohnt mühsam anfühlen. Auch ein unruhiger Schlaf, bei dem der Körper selbst im Bett nicht ganz zur Ruhe kommt, wird mir in diesem Zusammenhang häufig geschildert.

Ein Symptom mit vielen möglichen Ursachen

Ein Engegefühl in der Hüfte oder im Bauchraum ist zunächst nur ein Symptom. Es kann mit anhaltender Stressbelastung zusammenhängen, es kann aber genauso gut muskuläre, haltungsbedingte oder andere Ursachen haben, die nichts mit dem Nervensystem zu tun haben. Beide Erklärungsebenen schließen sich nicht aus und können gleichzeitig eine Rolle spielen.

Nach meiner Erfahrung lohnt es sich deshalb, nicht vorschnell auf eine einzelne Ursache zu schließen. In der Praxis schauen wir uns gemeinsam an, wie sich Ihre Beschwerden im Tagesverlauf verändern, wie Ihr Schlaf aussieht, wie Sie mit Belastung umgehen und welche körperlichen Muster sich dabei zeigen. Erst aus diesem Gesamtbild lässt sich einordnen, welche Faktoren bei Ihnen individuell zusammenwirken.

Was den Körper beim Loslassen unterstützen kann

Eine ruhige, bewusste Atmung gilt als einer der direktesten Wege, um das Nervensystem aus dem Alarmzustand zurückzuholen, da sie über den Vagusnerv auf den Parasympathikus wirken kann. Nach meiner Erfahrung kann es schon viel bewirken, der eigenen Atmung regelmäßig kurze, bewusste Momente am Tag zu widmen, statt sie dem Autopiloten zu überlassen. Auch ausreichend Bewegung und feste Erholungsphasen im Alltag können dazu beitragen, dass sich der Körper nicht dauerhaft im Spannungszustand festsetzt.

Wenn Sie ein wiederkehrendes Engegefühl in der Hüfte, im Bauch oder im unteren Rücken bei sich bemerken und herausfinden möchten, welche Zusammenhänge in Ihrem individuellen Fall eine Rolle spielen, stehe ich Ihnen gerne zur Seite. Gemeinsam schauen wir uns Ihre Beschwerden, Ihre Stressbelastung und Ihre Körperwahrnehmung im Zusammenhang an. Melden Sie sich einfach bei mir unter info@eben-gesund.de oder telefonisch unter 02774-8007400, um einen Termin zu vereinbaren.

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