Wenn eine Seite stärker zieht: Der Psoas und seine Bedeutung für den unteren Rücken
Kennen Sie das? Der untere Rücken schmerzt immer wieder auf derselben Seite.
Kennen Sie das? Der untere Rücken schmerzt immer wieder auf derselben Seite.
Kennen Sie das? Der untere Rücken schmerzt immer wieder auf derselben Seite. Manchmal zieht es bis ins Gesäß oder in den Oberschenkel. Nach längerem Sitzen fällt das Aufrichten schwer, und auch beim Strecken im Bett macht sich ein unangenehmes Ziehen bemerkbar.
Solche Beschwerden können unterschiedliche Ursachen haben. Neben der Wirbelsäule und den Iliosakralgelenken lohnt sich auch ein Blick auf die Hüftbeugemuskulatur. Besonders der Musculus psoas major steht aufgrund seiner anatomischen Lage und Funktion häufig im Fokus.
Doch welche Rolle spielt dieser Muskel tatsächlich, und was bedeutet es, wenn sich die Beschwerden überwiegend auf einer Körperseite zeigen?
Der Musculus psoas major gehört zur tiefen Hüftbeugemuskulatur. Er entspringt an den Seitenflächen der Lendenwirbel und verläuft durch den Beckenbereich bis zum oberen Abschnitt des Oberschenkelknochens.
Gemeinsam mit dem Musculus iliacus bildet er den Iliopsoas. Dieser Muskelkomplex ermöglicht unter anderem das Anheben des Oberschenkels und unterstützt die Bewegungskoordination zwischen Rumpf, Becken und Beinen.
Seine anatomische Lage macht ihn besonders interessant. Der Psoas liegt tief im Körper, in unmittelbarer Nähe zur Lendenwirbelsäule und zu verschiedenen Strukturen des Bauchraums.
Er arbeitet nicht isoliert, sondern ist in komplexe Bewegungsabläufe eingebunden. Deshalb können Veränderungen der Hüftbeweglichkeit, der Körperhaltung und der muskulären Belastung auch Auswirkungen darauf haben, wie sich der untere Rücken anfühlt.
Der Psoas verläuft nicht nur entlang der Lendenwirbelsäule, sondern auch in unmittelbarer Nachbarschaft zum Dickdarm. Auf der linken Seite liegen der absteigende Dickdarm (Colon descendens) und das Sigma (der anschließende, S-förmig verlaufende Darmabschnitt) in räumlicher Nähe zum linken Psoas und zum Musculus iliacus.
Wenn der Darm gebläht ist, sich Stuhl staut oder krampfartige Beschwerden auftreten, kann sich das auf die Körperhaltung auswirken, etwa über eine unbewusste Schonhaltung. Dadurch kann sich auch die Beanspruchung der umgebenden Muskulatur verändern.
Allerdings bedeutet die räumliche Nähe nicht automatisch, dass ein Zusammenhang besteht. Nicht jeder einseitige Rückenschmerz hat seine Ursache im Darm, und nicht jede Verdauungsbeschwerde führt zu Verspannungen im Psoas. Treten Rückenbeschwerden jedoch gemeinsam mit Blähungen, Verstopfung oder Veränderungen nach dem Stuhlgang auf, kann sich nach meiner Erfahrung ein Blick auf den Darm als weiteren möglichen Faktor lohnen.
Der menschliche Körper ist nicht vollkommen symmetrisch. Wir bevorzugen häufig eine Körperseite, belasten die Beine unterschiedlich oder nehmen im Alltag immer wieder ähnliche Haltungen ein.
Auch nach Verletzungen können sich Bewegungsmuster verändern. Wer beispielsweise ein Bein schont, kann unbewusst mehr Gewicht auf die andere Seite verlagern.
Langes Sitzen mit gebeugten Hüften kann ebenfalls beeinflussen, wie beweglich sich die Hüftregion anfühlt. In meiner Praxis sehe ich das besonders häufig bei Patientinnen und Patienten, die viel am Schreibtisch arbeiten und dazu noch bevorzugt die Beine in derselben Richtung überschlagen.
All diese Faktoren können zu einer unterschiedlichen Beanspruchung der rechten und linken Körperseite beitragen. Eine erhöhte Muskelspannung bedeutet allerdings nicht automatisch, dass ein Muskel verkürzt ist oder die Ursache für vorhandene Schmerzen darstellt.
Entscheidend ist das Zusammenspiel von Muskelspannung, Beweglichkeit und Belastung. Einseitige Beschwerden sollten deshalb nicht allein auf den Psoas zurückgeführt werden.
Der Psoas setzt an mehreren Lendenwirbeln an. Bei bestimmten Bewegungen arbeitet er mit anderen Muskeln zusammen, um den Rumpf und das Becken zu stabilisieren.
Verändert sich die Belastung, kann sich auch das Zusammenspiel dieser Strukturen verändern. Patientinnen und Patienten berichten mir dabei ganz unterschiedlich. Manche empfinden ein Ziehen im unteren Rücken, andere bemerken Beschwerden in der Leiste oder eine eingeschränkte Beweglichkeit der Hüfte.
Auch die Iliosakralgelenke können an Schmerzen im unteren Rücken beteiligt sein. Sie verbinden das Kreuzbein mit dem Becken und übertragen Kräfte zwischen Rumpf und Beinen.
Allerdings lässt sich aus dem Ort des Schmerzes nicht zuverlässig ableiten, welche Struktur ihn verursacht. Beschwerden in dieser Region können beispielsweise auch von den Bandscheiben, den Wirbelgelenken, den Nerven oder dem Hüftgelenk ausgehen.
Deshalb ist es sinnvoll, nicht nur den schmerzenden Bereich zu betrachten, sondern auch die Beweglichkeit, die Belastbarkeit und den zeitlichen Verlauf der Beschwerden einzubeziehen. Nach meiner Erfahrung lohnt sich dieser genauere Blick fast immer, auch wenn er zunächst mehr Fragen aufwirft als Antworten liefert.
Das Zwerchfell und der Psoas liegen in enger anatomischer Beziehung. Das Zwerchfell ist unser wichtigster Atemmuskel und verändert bei jedem Atemzug seine Position.
Bei Stress verändert sich häufig auch die Atmung. Sie wird beispielsweise flacher oder schneller, und die Spannung der Rumpfmuskulatur kann zunehmen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Stress zwangsläufig zu einem verspannten Psoas führt. Vielmehr beeinflussen Stress, Atmung, Bewegung und Muskelaktivität einander auf komplexe Weise.
Eine ruhige Atmung kann nach meiner Erfahrung helfen, die eigene Körperspannung bewusster wahrzunehmen. Zusammen mit angemessener Bewegung kann sie ein sinnvoller Bestandteil des persönlichen Umgangs mit Verspannungsgefühlen sein.
Nach einer Operation verändert sich das Gewebe im Bereich der Narbe. Während der Wundheilung entsteht neues Bindegewebe, das sich in seiner Struktur von unverletztem Gewebe unterscheidet.
Manche Narben bleiben empfindlich oder fühlen sich weniger beweglich an. Bei einigen Menschen können sie die Wahrnehmung oder die Bewegung im angrenzenden Bereich beeinflussen.
Daraus folgt allerdings nicht, dass jede Narbe zu tiefen Verwachsungen führt oder eine dauerhafte Spannung des Psoas verursacht. Auch lässt sich eine Verbindung zwischen Narbe und Rückenschmerz nicht allein aus der räumlichen Nähe ableiten.
Wenn Beschwerden nach einer Operation bestehen bleiben, sollte deshalb der gesamte funktionelle Zusammenhang betrachtet werden.
Wenn sich die Vorderseite der Hüfte angespannt anfühlt, kann eine sanfte Mobilisation ein sinnvoller Ausgangspunkt sein. Eine Möglichkeit ist die vorsichtige Dehnung der Hüftbeugemuskulatur, die ich auch in meiner Praxis häufig als ersten, einfach umsetzbaren Schritt empfehle.
So können Sie die Bewegung ausprobieren: Nehmen Sie einen halben Kniestand ein, ein Fuß steht vorne, das hintere Knie liegt auf einer weichen Unterlage. Richten Sie den Oberkörper auf und bewegen Sie das Becken langsam ein kleines Stück nach vorne, ohne dabei ins Hohlkreuz auszuweichen. Sobald Sie eine leichte Dehnung an der Vorderseite der hinteren Hüfte wahrnehmen, halten Sie die Position und atmen ruhig weiter. Anschließend wechseln Sie die Seite.
Die Bewegung sollte angenehm bleiben und keine Schmerzen auslösen. Gerade bei eingeschränkter Hüftbeweglichkeit ist es wichtig, die Position nicht zu erzwingen.
Bei neu auftretenden, starken oder anhaltenden Schmerzen sollte zunächst die Ursache abgeklärt werden. Das gilt insbesondere bei ausstrahlenden Beschwerden, Taubheitsgefühlen oder Kraftverlust.
Unser Körper muss nicht auf beiden Seiten identisch funktionieren. Entscheidend ist, ob die vorhandenen Unterschiede die Beweglichkeit oder die Belastbarkeit tatsächlich einschränken.
Einseitige Rückenschmerzen sind deshalb kein ausreichender Beweis für einen verkürzten oder verspannten Psoas. Sie können jedoch Anlass sein, die Bewegungsabläufe zwischen Hüfte, Becken und Wirbelsäule genauer zu betrachten.
Nach meiner Erfahrung lohnt es sich bei solchen Beschwerden, nicht nur auf den schmerzenden Punkt zu schauen, sondern das Zusammenspiel von Haltung, Atmung und Bewegungsgewohnheiten im Ganzen zu betrachten.
Wenn Sie wiederkehrende, einseitige Beschwerden im unteren Rücken bei sich bemerken und herausfinden möchten, welche Strukturen in Ihrem individuellen Fall eine Rolle spielen könnten, stehe ich Ihnen gerne zur Seite. Gemeinsam schauen wir uns Ihre Beschwerden, Ihre Bewegungsgewohnheiten und Ihre Körperhaltung im Zusammenhang an. Melden Sie sich einfach bei mir unter info@eben-gesund.de oder telefonisch unter 02774-8007400, um einen Termin zu vereinbaren.
Der Darm als Sitz der Gesundheit: Blähungen, Reizdarm und Co. naturheilkundlich begleiten.
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