Zum Hauptinhalt springen Termin
Blog

Müde oder aufgedreht oder beides? Wie unterschiedlich sich Stress zeigen kann

Der eine Patient liegt abends hellwach im Bett, das Herz klopft, die Gedanken kreisen um den nächsten Arbeitstag. Die andere Patientin kommt morgens kaum aus dem Bett, fühlt sich wie ausgelaugt, obwohl sie acht Stunden geschlafen hat.

Der eine Patient liegt abends hellwach im Bett, das Herz klopft, die Gedanken kreisen um den nächsten Arbeitstag. Die andere Patientin kommt morgens kaum aus dem Bett, fühlt sich wie ausgelaugt, obwohl sie acht Stunden geschlafen hat. Andere wiederum kommen morgens kaum in die Gänge, aber abends finden sie keine Ruhe.

Nicht jeder empfindet Stress gleich, mit den gleichen Symptomen. Nach meiner Erfahrung zeigt sich dieselbe Grundbelastung, zu viel Verantwortung, zu wenig Erholung, ein Dauerzustand von Anspannung, bei jedem Menschen anders im Körper. Werfen wir einen Blick darauf, warum das so ist.

Stress ist nicht nur Stimmung

Wenn wir von Stress sprechen, meinen wir im Alltag meist ein subjektives Empfinden, Druck, Hetze, Überforderung. Körperlich betrachtet ist Stress jedoch ein Zustand, der gleichzeitig über mehrere Systeme läuft. Über das Gehirn und seine Bewertung einer Situation, über die Hormonachse zwischen Hypothalamus, Hypophyse und Nebenniere, über das autonome Nervensystem mit seinem Wechselspiel aus Sympathikus und Parasympathikus, über den Stoffwechsel und über den Darm. Diese Systeme sind so eng miteinander vernetzt und beeinflussen sich gegenseitig.

Wiederholt sich eine oder mehrere Belastungen zu häufig, oder halten zu lange an, fehlt dem Körper die Phase und Möglichkeit wieder zu regenerieren und ein dauerhaft aktiviertes Stresssystem im Organismus kann Spuren hinterlassen, die nicht immer sofort in Erscheinung treten, weil manche Menschen durchhalten und kompensieren können. Entscheidend ist dabei nicht allein, wie viel Stress jemand erlebt, sondern wie gut der eigene Organismus zwischen Anspannung und Erholung wechseln kann, und an welcher Stelle im System sich diese Fähigkeit als erstes erschöpft.

Jeder Mensch hat seine eigene Schwachstelle im System

Genau hier liegt eine Erklärung dafür, warum zwei Menschen mit einer ähnlich belastenden Lebenssituation völlig unterschiedliche Beschwerden entwickeln können. Genetik, Veranlagung, bisherige biografische Belastungen, der Zustand von Nervensystem und Hormonachse zu Beginn der aktuellen Stressphase, aber auch Schlaf, Ernährung und die Darmgesundheit spielen eine Rolle dabei, an welcher Stelle sich die Belastung zuerst bemerkbar macht. Bei der einen Person gerät vor allem das Nervensystem in eine dauerhafte Wachsamkeit, beim anderen eher der Hormonhaushalt, bei einer dritten Person vor allem der Darm. Deshalb lohnt es sich, nicht nur zu fragen, wie gestresst jemand ist, sondern auch, wie sich dieser Stress im individuellen Körper bemerkbar macht.

Zwei gegensätzliche Muster, die mir in der Praxis häufig begegnen

Vereinfacht lassen sich zwei sehr unterschiedliche Reaktionsweisen beobachten, auch wenn die Wirklichkeit meist bunter ist als jede Vereinfachung. Manche Menschen reagieren auf anhaltenden Stress eher mit Übererregung: Einschlafprobleme, Herzklopfen am Abend, innere Unruhe, ein Gedankenkarussell, das sich kaum abstellen lässt. Der Körper wirkt, als stünde er auch abends noch unter Strom.

Andere reagieren eher mit Erschöpfung: einem ausgeprägten Morgentief, Antriebslosigkeit, einer erhöhten Infektanfälligkeit, diffusen Schmerzen. Einfache Aufgaben fallen plötzlich schwer, obwohl objektiv nicht mehr verlangt wird als früher.

Nicht selten erlebe ich in der Praxis auch eine Mischung aus beidem: Tagsüber fühlt sich der Mensch leer und erschöpft, während das System abends wieder aufdreht und der Schlaf trotz Müdigkeit unerholsam bleibt. Und manchmal zeigt sich Stress weniger über das Nervensystem als über den Körper selbst, etwa über Verdauungsbeschwerden, Hautveränderungen, Gelenkbeschwerden oder eine spürbar erhöhte Anfälligkeit für Entzündungen.

In der Praxis sehe ich selten ein und dieselbe Kategorie, sondern meist Übergänge und Kombinationen, die sich im Lauf einer Stressphase auch verschieben können. Welches Muster bei einer Person im Vordergrund steht und was im Einzelfall dahinterstecken kann, lässt sich am verlässlichsten im persönlichen Gespräch einordnen und nicht durch eine Selbsteinschätzung nach Checkliste. Häufig ist es so, dass der Stress, der gar nicht mehr da ist, dennoch Spuren hinterlassen hat.

Einordnung statt Selbstdiagnose

Ähnliche Beschwerden wie Herzklopfen, anhaltende Erschöpfung oder Verdauungsprobleme können auch andere Ursachen haben, die sich erst im persönlichen Gespräch und gegebenenfalls durch weiterführende Diagnostik einordnen lassen.

Praktischer Ausblick

Was mir in der Praxis immer wieder auffällt: Allein das Verstehen des eigenen Musters, ob eher Richtung Übererregung, eher Richtung Erschöpfung oder eine Mischung aus beidem, nimmt vielen Patientinnen und Patienten schon einen Teil der Verunsicherung. Statt sich zu fragen, warum der eigene Körper "nicht funktioniert" wie der von anderen, lässt sich gezielter hinschauen, an welcher Stelle im eigenen System der größte Druck liegt, beim Nervensystem, bei der Hormonachse oder beim Darm. Darauf aufbauend lässt sich dann gemeinsam ein Weg finden, der zur individuellen Situation passt. Dazu gehört dann auch mal zu lernen, eigene Bedürfnisse in den Vordergrund zu stellen, je nach der möglichen Situation.

Wenn Sie das Gefühl haben, dass sich Ihr Stress in einem bestimmten Muster zeigt, und herausfinden möchten, welche Rolle Nervensystem, Hormonhaushalt oder Darm in Ihrem individuellen Fall spielen könnten, stehe ich Ihnen gerne zur Seite. Gemeinsam schauen wir uns Ihre Beschwerden, Ihren Alltag und Ihre bisherigen Erfahrungen im Zusammenhang an. Melden Sie sich einfach bei mir unter info@eben-gesund.de oder telefonisch unter 02774-8007400, um einen Termin zu vereinbaren.

Passende Leistung

Regenerations- und Stressmedizin

Für Frauen und Männer ab 45: das vegetative Nervensystem und stressbedingte Beschwerden im Blick.

Mehr erfahren →

Termin vereinbaren

Schreiben Sie mir eine E-Mail, rufen Sie an, oder buchen Sie direkt online.